Die Prophezeiungen des Nostradamus verstehen lernen
Hat Nostradamus die Zukunft vorher gesagt? Die Einen sagen nein, die anderen ja. Ich behaupte: bisher weiß das niemand.Ich weiß es auch nicht.
Aufgrund eines Erlebnisses, welches ich vor vielen Jahren hatte und über das ich auf meiner Webseite schreibe (Nostradamus),
gehe
ich seit Jahrzehnten in größeren Abständen dieser Frage nach. Immer
wieder habe ich zwischendurch aufgegeben, weil mir dieses Unterfangen
aussichtslos erschien, aber immer wieder habe ich damit
auch wieder angefangen.
Zumindest im Moment verwende ich ausschließlich die Ausgabe von
Wien, weil ich diese schon seit langer, langer Zeit als Kopie zu Hause
habe. Doch nicht nur deshalb.
Die Ausgabe enthält 353 Vierzeiler.
Obwohl er von jeweils 100 Vierzeilern spricht. In einer späteren
Ausgabe wurden die fehlenden Vierzeiler ergänzt, sodass es schließlich
dann doch 100 wurden.
Gehört nun der nächste Teil zum ersten dazu, oder hat ein Teil mit dem anderen nichts zu tun?
Nostradamus hat sich die Mühe gemacht, sein Buch mit einem Privileg
zu versehen. Ich würde sagen, dass entspricht ungefähr einer ISBN
Nummer. Das heißt, damit soll gewährleistet werden,
dass es ein Original ist und keine Fälschung. Aber ist das wirklich
so?
Es gibt zwei Ausgaben, die angeblich am selben Tag, in derselben
Druckerei hergestellt wurden. Was total absurd ist. Im Jahr 1555 war das
Drucken von Büchern noch eine Kunst und sehr aufwändig.
Da ich nur diese eine Ausgabe zur Hand habe, die ich für die
Originalausgabe halte, kann ich keinen direkten Vergleich herstellen.
Das haben schon andere vor mir gemacht. Einige Forscher meinen,
die Ausgabe in Albi sei die erste, weil in ihr viele Fehler zu
finden seien. Gerade das spricht aber meiner Meinung nach dagegen. Ich
glaube nicht, dass die Wiener Ausgabe eine korrigierte
Ausgabe derjenigen von Albi ist. Eher denke, die Ausgabe von Albi
ist eine schlechte Kopie. Warum sollte ein und derselbe Verlag zwei
Ausgaben desselben Buches am selben Tag, bzw. in demselben
Jahr drucken? Fehler zeigen, dass etwas nachlässig gemacht wurde.
Beide Ausgaben weisen Fehler auf, aber diese stimmen nicht miteinander
überein, so viel ich den Texten anderer Nostradamus
Forschern entnehmen konnte.
Auf jeden Fall unterscheiden sich die beiden Ausgaben voneinander,
wenn auch nur geringfügig. Ob ein Privileg tatsächlich vor einem
Raubdruck schützen konnte, kann ich nicht mit Sicherheit
beantworten, aber ich glaube es nicht.
Ein Unterschied ist deutlich sichtbar. Das hier ist die Ausgabe, die
in der österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird.
Vielleicht wollte Nostradamus die Überschrift so, wie sie schließlich geworden ist. Vermutlich eine Spezialanfertigung.
Ich nehme an, das hier ist die andere Ausgabe, die in Albi zu finden
ist. Ich habe das Foto nur aus dem Internet. Dieser Unterschied spricht
für die Wiener Ausgabe als Original. Die Buchstaben
für die Überschrift scheinen extra angefertigt worden zu sein.
Perfekt wirken sie nicht gerade. Ein Fälscher hätte sich die Arbeit
sicher nicht gemacht, er hätte die bereits vorhandenen
Buchstaben verwendet, so wie das in der Ausgabe von Albi zu sehen
ist.
Für Fälscher war es sicher wichtig, das "richtige" Datum zu
verwenden, weil der Text unbedingt vor dem Ereignis liegen musste. Nun
wusste man zwar nicht, welcher Ereignisse nun konkret gemeint
waren, aber ich denke: sicher ist sicher!!!
Viele Fremde, aber auch sein Sohn hatten Interesse daran, das Werk am Leben zu erhalten, weil es sich gut verkaufte.
Der Text sollte zumindest scheinbar noch zu Lebzeiten des Herrn
Nostradamus erschienen sein, um überzeugend zu wirken, sofern sich das
irgendwie machen ließ. Nostradamus starb am 2. Juli 1566. 11
Jahre nach dem Erscheinen seines bis dahin wichtigsten Buches. Alles
was nach diesem Datum gedruckt wurde,
geschah also sicher ohne seine Kontrolle. Aber war er vor diesem
Datum auch noch in der Lage, weitere Verse zu verfassen, oder den Druck
seiner Bücher zu beaufsichtigen? Mit Sicherheit kann man
das nicht sagen.
Nostradamus starb mit 62 Jahren angeblich an einem Herzinfarkt, oder
Asthma-Anfall in Folge seiner Wassersucht. Er hatte seit Jahren an
chronischer Gicht gelitten, die zu Nierenversagen führte.
Angeblich hatte er seinen Tod vorher gesagt, was man leider nicht
überprüfen kann. Seine Anhänger/innen neigten und neigen bis heute zur
Legendenbildung und schriftlich scheint er nichts in
dieser Hinsicht längere Zeit davor, hinterlassen zu haben. Es ist
müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Dieses Buch verwendet dasselbe Bild, wie das Buch aus dem Jahr 1555,
obwohl es sich um einen anderen Verlag handelt und auch viel später
gedruckt wurde. Bilder kopieren scheint also nicht sehr
schwierig gewesen zu sein. Als dieses Buch erschien, lebte
Nostradamus nicht mehr.
Der Text wurde in späteren Ausgaben nur minimal verändert, aber die
Schreibweise blieb nicht gleich. Bei den alten Ausgaben wurde auf
Buchstaben verzichtet, die doppelt vorkommen, so wie das auch
früher im Deutschen üblich war. Man schrieb eine Wellenlinie auf den
Buchstaben, um damit seine Verdoppelung anzuzeigen, oder auf den
Buchstaben davor, um zu zeigen, dass danach ein N, oder ein M
folgen würde. Das war insofern sinnvoll, als man sich damit viele
Lettern ersparen konnte. Statt 2x N, konnte man 1x N mit Wellenlinie
setzen. Zeichnungen wurden wiederholt verwendet, weil man
sie per Hand herstellen musste. Es wäre ein zu großer Aufwand
gewesen, sie für jedes neue Buch neu herzustellen. Deshalb kommen in
verschiedenen Büchern immer wieder die gleichen Bilder vor.
Sie zu kopieren war leichter, als selbst welche zu machen. Bei
Raubdrucken wird es deshalb Kopien gegeben haben. Fotokopieren konnten
die Leute damals ja noch nicht.
Die Wiener Ausgabe enthält zwei wesentliche, auffällige Fehler.
Der 2. Teil der Centurien hat die Nummer 12 doppelt.
Dafür fehlt die Nummer 17, wodurch der Fehler wieder insofern ausgeglichen wird, als trotzdem nur 100 Vierzeiler enthalten sind.
Was die Nummer 17 betrifft, habe ich ein seltsames Verhältnis zu
dieser Zahl. Irgendwie verblüffend, dass ausgerechnet die 17 eingespart
wurde.
Ob es sich bei scheinbaren Fehlern um Absicht, oder um echte Fehler
handelt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Nostradamus
könnte damit auch etwas Bestimmtes auszudrücken versucht
haben.
Beim 3. Teil ist die obere Zierleiste verkehrt herum angebracht
worden und es fehlt das R bei Nostradamus. Dort steht: Nostadamus.
Solche Fehler dürften eigentlich nicht passieren. Vielleicht war
der Drucker betrunken?
Wie man an diesen Beispielen auch erkennen kann, wird U zu V und es
gibt zwei verschiedene S. Auch das gab es früher im Deutschen.
Abgeschafft wurde es in beiden Sprachen. Man kann also
grundsätzlich davon ausgehen, dass Texte mit Wellenlinie über den
Buchstaben und V statt U, sowie U statt V und zwei verschiedene S, älter
sind, als Texte, wo dies nicht vorkommt.
Auf diesen Seiten findet man einiges
über Nostradamus und über seine Werke. Darauf werde ich zu einem
späteren Zeitpunkt näher eingehen.
Es wurden schon viele Vergleiche zwischen den verschiedenen Nostradamus Ausgaben angestellt
Ich muss das Rad nicht neu erfinden, deshalb beziehe ich mich unter
anderem auch auf Nostradamus Forscher, die verschiedene Ausgabe
miteinander verglichen haben. Wobei mich Kleinigkeiten
eigentlich wenig interessieren. Die wichtigen Unterschiede findet
man selbst auch sehr leicht, aber kleinere - wie verschiedene
Schreibweisen - sind nur wichtig, wenn man glaubt, einen Code
finden zu müssen. Ich glaube nicht an diesen mysteriösen
"Nostradamus-Code".
2004 hat Guillome Thonnaz auf http://zannoth.de ziemlich viel
darüber geschrieben. Damals habe ich mit einiges ausgedruckt. Diese
Seite existiert nicht mehr, ich habe von ihm auch keine andere
Webseite mehr gefunden.
Der Autor hatte ein Antiquariat. Seine Bücher hat er
vermutlich aus Liebe zu alten Büchern, in einem alten Stil drucken
lassen. Schaut gut aus und peppt jede Bibliothek auf. Zumindest
äußerlich macht es etwas her. Ob das auch für den Inhalt gilt? Ich
werde mich damit noch beschäftigen.
Es gab zahlreiche Diskussionen im Internet darüber, ob seine
"Übersetzung" korrekt wäre. Der Versuch, wörtlich zu "übersetzen" hat
etwas für sich, nur kann man das nicht wirklich, weil
Nostradamus auch Worte verwendet hat, die mehrdeutig sein könnten.
Er glaubt, einen Code gefunden zu haben und er ist nicht der Einzige.
Ein Code kann nur richtig sein, wenn
man ihn auf die Originalausgabe anwenden kann und dazu muss man
natürlich wissen, welches die Originalausgabe ist. Sie muss in
dieser enthalten sein.
Nostradamus war jahrelang krank und wusste vermutlich, dass er nicht
mehr sehr lange leben würde. Ob er tatsächlich Arzt, oder nur Apotheker
war, ist umstritten. Mit Krankheiten hat er sich
jedenfalls ausgekannt. So gesehen kann man spekulieren, dass er
schon 1555 damit rechnete, sein Werk nicht mehr weiter führen, oder gar
beenden zu können.
Die erste Ausgabe der Prophezeiungen halte ich für sein Testament.
Spekuliert wurde, an wen es gerichtet ist. Er schreibt: "Ich hinterlasse
dir ...". Sein Sohn wird namentlich als Erbe genannt.
Allerdings schreibt Nostradamus auch: "Da du .... nicht in dieser
Region das Licht der Welt erblickt hast ...", kann man am genannten
Adressaten (Caesar Nostradamus) zweifeln. Manche
meinen, es sei damals üblich gewesen, die Leser auf diese Art
anzusprechen und daher sei jede Person gemeint, welche das Buch lesen
würde. Was auch zweifelhaft ist, da Nostradamus alle
Leser/innen insofern ausschließt, als er darauf hinweist, niemand
solle es verstehen.
Er wendet sich offenbar an eine ganz bestimmte Person, welche die Fähigkeit besitzt, die Vierzeiler zu entschlüsseln.
Zumindest klingt das so. Es wäre jedenfalls logisch, davon
auszugehen. Einige fühlten sich angesprochen, geschafft hat es bisher
noch niemand. Auch nicht der Herr Thonnaz.
Das Ganze erinnert irgendwie an die bekannten Märchen, wo Ausschau
nach dem "Richtigen" gehalten wird, der einige Rätsel lösen muss, um die
Prinzessin und den Thron zu ergattern. Nur wer das
Unmögliche schafft, ist würdig, den Preis zu erringen. Die anderen
scheitern kläglich, was oft ihren Tod bedeutet.
Würdig sein bedeutet auch, vom Schicksal dazu bestimmt zu sein,
Großes zu tun. Höheres Wissen und Macht gehört nicht in die Hände
kleiner Leute, die einen schwachen Charakter besitzen und die
auch nicht weitsichtig genug sind, die Last der Verantwortung zu
tragen.
Thonnaz meint, dass es sich bei folgenden Ausgaben um Rückdatierungen handelt:
".... die Ausgabe 1557 von
Antoine du Rosne (Cho.Nr.19), mit der Abbildung,bei der Nostradamus nach links blickt,
weil da der Text gleich den Ausgaben die nach 1600 gedruckt
wurden korrigiert ist. (Kopie von der BnF Paris), Auch die Kopie (1557), bei
der Nostradamus nach rechts blickt - mit dem Bibliotheksstempel von
Utrecht (im Internet bei "Mario" abgebildet) - ist eine derrückdatiertenAusgaben. (Kopie von
Utrecht) 2.die drei Ausgaben 1566 von Fr. Jean Vallier
mit dem Druckvermerk von Pierre Rigaud zu Lyon
(Cho.Nr.80-81-82) (Kopie von BnF Paris)"
Damit wird er vermutlich Recht haben. Meiner Meinung nach stellt
sich an und für sich die Frage, ob wirklich alle Ausgaben - abgesehen
von der ersten - von Nostradamus zusammen gestellt und
kontrolliert wurden. Nostradamus schreibt zwar, er habe prophetische
Bücher mit je hundert astronomisch berechneten Vierzeilern verfasst,
trotzdem enthält die Ausgabe von 1555 nur 3 Abschnitte
mit je hundert Vierzeilern. Darauf folgen 353 Vierzeiler. Also warum
wurde das Buch veröffentlicht, obwohl theoretisch 47 Vierzeiler fehlen?
Ergänzt wird das Ganze bei der nächsten Ausgabe, in
welcher ein weiterer Brief eingefügt wird, der allerdings an einen
anderen Adressaten geht. An einen König Heinrich: "Henry, Roy de France
second"! An einen zukünftigen König. Dieser Brief
enthält Zeitangaben, bei denen es sich um Zeitberechnungen handelt,
die dazu verwendet wurden, das Ende der Welt zu berechnen. Sie basieren
komplett auf der Bibel.
Die Zenturien 8 - 10 wurden angeblich am 27. Juni 1558 gedruckt. Es gibt kein einziges Exemplar davon.
Nachträglich wurde diese angeblich tatsächlich gedruckte Ausgabe,
nur in anderen, späteren Ausgaben erwähnt. Somit ist deren Existenz mehr
als zweifelhaft.
Eine Ausgabe, angeblich gedruckt am 6. September 1557
enthält die Vorrede an den Sohn César und die Centurien 1-5,
zusätzlich noch 99 Quatrains der 6. Zenturie, sowie eine nicht
nummerierte in Latein. Des Weiteren 42 Quatrains der 7. Zenturie
(also 642 Quatrains). Abgeschlossen wird der Text mit dem Wort FIN. (Das scheint jedoch bloß eine Faksimile-Ausgabe zu sein und zwar der von der
Éditions Michel Chomarat, in Lyon 1993, also nicht das Original selbst.)
Dann gibt es noch ein Exemplar in der Széchényi-Nationalbibliothek, Budapest, angeblich gedruckt am 3. November 1557, aber ohne den Quatrain in Latein und
ohne die Quatrains 41 und 42 der 7. Zenturie. Das heißt, es gibt hier nur 639 Quatrains.
Das ist alles schon etwas seltsam. Ich kann beim besten Willen nicht
glauben, dass es sich dabei um echte Ausgaben handelt, die von
Nostradamus abgesegnet worden sind. Warum sollte er zizerlweis
(wie man das bei uns so schön ausdrückt) seine Vierzeiler
veröffentlicht haben? Das ergibt doch absolut keinen Sinn. Noch dazu in
demselben Jahr und jede Ausgabe enthält eine andere Anzahl an
Versen.
Erst die mit 1568 datierte Ausgabe bei Benoist Rigaud gedruckt, enthält auch die Zenturien 8–10. (mit dem Anspruch,
dass diese nie zuvor gedruckt wurden!)
In dieser gibt es auch sowohl die Vorrede an den Sohn César, die
Centurien 1–6, die Vierzeiler 1–42 der 7. Zenturie, sowie den Brief an
den König Heinrich II.
Diese angeblich komplette Ausgabe enthält somit nur 942 Quatrains.
Aber eigentlich sollten es doch jeweils hundert sein, sagt uns der
Brief an Caesar; was
bedeutet, die komplette Ausgabe sollte 1000 Vierzeiler beinhalten.
Was wiederum einen Anlass bot, irgendwann auch noch einen 11. und 12.
Teil zu präsentieren. Die Zahl 12 wird gemeinhin als
göttliche Zahl angesehen, weil es 12 Apostel gab. Da liegt es nahe,
auf 12 aufzurunden. Das ist aber schon Teil der neueren Zeit, in der man
keine Ahnung mehr von der Geschichte der
Prophezeiungen hatte. Die Zahl 10 entspricht jedoch der älteren
Vorstellung, die sich an früheren Prophezeiungen anderer Propheten
orientierte. Nostradamus war schließlich nicht der erste Prophet
in der Geschichte Europas.
Die meisten "Übersetzer" haben mit allen zur Verfügung stehenden
Vierzeilern gearbeitet. In der Annahme, alle würden von Nostradamus
stammen und seien von ihm selbst veröffentlicht worden. Wie
man sieht, ist das gar nicht so sicher. Da Nostradamus erklärte, er
habe selbst die Quatrains absichtlich durcheinander gebracht, um zu
verhindern, dass diese verstanden werden, konnte jeder
Fälscher (ich bin davon überzeugt, dass es allesamt Männer waren)
hinein schreiben, was er wollte. Nostradamus hat angeblich viele Verse
hinterlassen. Zu Anfang wird es sich vermutlich um diese
hinterlassenen Verse gehandelt haben, welche von seinem Sohn und von
seinem Vertrauten verwendet wurden. Aber selbst dann würden sie zu noch
mehr Verwirrung beitragen, weil sie nicht ins
ursprüngliche System passen.
Die falschen Prophezeiungen stammen von seinen Interpreten
Alles was man so als Voraussagen des Herrn Nostradamus kennt, stammt
in Wahrheit von dessen Interpreten und nicht von ihm selbst. Auf https://www.relinfo.ch/nostradamus/infotxt.html habe ich schon im Jahr 2004 einige Hinweise auf falsche Voraussagen
gefunden. Seither habe ich mich dort nicht mehr umgesehen.
Mit falschen Voraussagen hatte ich allerdings schon viele Jahre
zuvor zu tun, nämlich als ich mein erstes Nostradamus Buch gekauft
hatte. Geschrieben wurde es von Fontbrune, der als Franzose
eigentlich prädestiniert gewesen wäre, richtig zu "übersetzen".
Alles was er behauptet hatte, war falsch. Allerdings bewundere ich Leute
wie ihn, die sich anmaßen, richtig zu interpretieren,
obwohl sie selbst falsche Propheten sind und die den Mut haben, in
aller Öffentlichkeit Prophezeiungen zu machen. Weil es ihre eigenen
Prophezeiungen sind und nicht die vom Herrn Nostradamus.
Wer sind die Autoren auf http://www.relinfo.ch? Interessant: es
handelt sich um eine «Evangelische Orientierungsstelle: Kirche,
Sondergruppen, religiöse Bewegungen». Das ist insofern lustig, als
gerade die evangelische Kirche in ihrem Ursprung als Sekte galt.
Betrachtet man Religionen an sich, waren so ziemlich alle irgendwann zu
Anfang eine Sekte, eine Abspaltung, von einem angeblich,
WAHREN Glauben. Die Katholiken haben auch etwas ähnliches.
Rel.info fühlt sich von einem Vierzeiler direkt angesprochen.
Zumindest diesen einen Vers glauben die Autoren selbst entschlüsselt und
zeitlich richtig eingeordnet zu haben:
Die Predigten vom Genfer See werden Widerspruch erregen,
Die Tage werden zu Wochen,
Dann zu Monaten und zu Jahren, schliesslich wird alles hinfällig.
Die Behörden verdammen selbst jene leeren Dogmen.
Hier wird durchaus klar, dass
Nostradamus dem Calvinismus ein völliges Ende binnen ein paar Jahren
vorausgesagt hat. Diese Sicht mag dem katholischen
Wunschdenken des Sehers entsprochen haben, mit der weiteren
Entwicklung der Geschichte hat sie nichts zu tun.
Der Vers lautet im Original:
I 47
Du lac Leman les sermons facheront : Des iours seront reduicts par les sepmaines, Puis mois, puis an, puis tous deffailliront, Les magistrats damneront les loys vaines.
Les sermons bedeutet Predigten, trotzdem wird dieses Wort von
anderen anders übersetzt, weil es noch ein weiteres Wort für Predigten
gibt. Deshalb übersetzt de Fontbrune den Vierzeiler
folgendermaßen:
Die Reden vom Genfer See werden zu Zwistigkeiten führen;
Tage werden sich in Wochen verwandeln,
dann in Monate und schließlich in Jahre. Dann wird alles
zusammenbrechen, und die Beamten werden ihre nutzlosen Gesetze
verdammen.
Einige Worte werden anders übersetzt und schon ergibt sich ein
anderer Sinn. Wie ist das möglich? Weil dahinter fast immer eine
bestimmte Absicht steckt. Was die Ehrlichen unter den Interpreten
betrifft, mag es keine bewusste Absicht sein. Doch sie ist immer da,
auch wenn wir es selbst gar nicht bemerken. Die Absicht der
Evangelischen ist klar. Sie fühlen sich angesprochen, weil dort
Genfer See steht - Predigten. Das genügt schon, um an die eigene
Geschichte zu denken. Man unterstellt daher dem armen Nostradamus, zu
prophezeien, die eigene Sekte würde schon bald wieder
verschwinden. Damit hätte er nicht Recht, weil ihre Sekte
erfolgreich war und deshalb folgern sie, Nostradamus habe sich geirrt.
Ein falscher katholischer Prophet also, mit Tunnelblick. Aber hat
er das wirklich gesagt?
Hat er das tatsächlich prophezeit? Welches Datum, welches Jahr beschreibt er? Das geht aus dem Text nicht hervor.
Um einige wenige Beispiele zu bringen, habe ich die angeblichen "Übersetzungen" durchforstet und verglichen.
Die Reden vom Lac Leman (Genfer See) werden sich erzürnen.
Aus Tagen und Wochen werden schließlich Monate und Jahre;
am Ende bricht alles zusammen.
Die Berater werden ihre nutzlosen Gesetze verfluchen.
Wieso übersetzen die Einen das Wort sermons mit "Predigten" und die
anderen mit "Reden"? Sermo, sermonis heißt auf Latein "Unterredung",
"Gespräch". Nostradamus sprach ein altes Französisch,
welches dem Latein noch sehr nahe stand. Auf Französisch kann man
sermon mit Predigt übersetzen, aber es gibt auch die Worte "precher,
oder sermonner für predigen. Predigt heißt
"prédication, préche oder sermon".
Nimmt man modernes Französisch, könnte der Vers so lauten:
Les magistrats bedeutet eigentlich "die Richter", denn das ist
insofern logisch, als sie Gesetze vollziehen. Also die Richter verdammen
die eitlen (oder die nutzlosen) Gesetze. Da kommen wir
schon ein wenig von den Sekten weg.
Das soll nur ein kleines Beispiel dafür sein, dass selbst die
scheinbar einfach zu übersetzenden Vierzeiler gar nicht so klar sind.
Zu begreifen was Nostradamus sagen wollte, ist kein Hobby. Das muss
man ernst nehmen. Zu aller erst muss man begreifen, was er selbst sagen
wollte. Ging es ihm darum, vor der Zukunft zu warnen?
Oder wollte er den Beweis erbringen, dass unser Schicksal
vorbestimmt ist? Worin liegt die Größe seines Werks, von der er spricht?
Nostradamus ging es mit Sicherheit darum, ein großes Werk
zu vollbringen. Jedenfalls behauptet er das. Er stritt sich mit
seinen Zeitgenossen, auf welches Jahr das Ende der Welt fallen würde.
Für uns Heutige erscheint es idiotisch, diesen Termin
ausrechnen zu wollen und noch dazu anhand der Bibel. Den Menschen
seiner Zeit war es jedenfalls sehr ernst. Die Bibel wurde wörtlich
verstanden. Man rechnete aus, wann genau die Welt erschaffen
wurde und wann Gott sie wieder vernichten werde. Dabei ging es nicht
um Milliarden Jahre, sondern um wenige tausende. Diese Berechnungen
waren tatsächlich "weltbewegend".
Hillel II. errechnete nach den biblischen Chroniken das Jahr der Schöpfung als das Jahr 3761 v. Chr.
Um vom christlichen zum jüdischen Jahr zu kommen, muss man also 3760 Jahre addieren. Das
Jahr 2024 ist demnach das Jahr 5784 des jüdischen Kalenders.
Das sollte man beachten, wenn man Nostradamus verstehen will. Nostradamus gibt das Ende seiner Prophezeiung mit dem Jahr3797
an. Das wäre nach jüdischem Kalender das Jahr 7557.
In Richard RoussatsLivre de l’etat et mutations des temps,
wurde das Jahr 2242 als möglichen Termin für das Ende der Welt
veröffentlicht. Es rechneten aber
noch viele andere das "Ende der Welt" aus. Alle bezogen sich dabei
auf die Bibel. Man kann durchaus von einem streit unter den damaligen
Wissenschaftlern sprechen.
Auch Prophezeiungen an sich waren
nicht unüblich. Die Männer der Kirche waren zum Teil davon wenig
begeistert, weil sie geradezu inflationär auftraten.
Die Christen haben diese jüdische Idee übernommen und eben auch
selbst nachgerechnet, ob Hillel II Recht hatte. Schließlich wartete man
auf das Ende aller Zeiten und man hoffte natürlich, es möge
nicht so bald kommen. Auch Nostradamus rechnete sozusagen nach
hinten, indem er in seinem 2. Brief aufzählt, wie viele Jahre nach dem
einen und anderen Ereignis vergangen seien. Wenn man das
nicht begreift, sollte man sich sowieso von seinem Werk fern halten.
Es war also wichtig das Jahr der Entstehung der Erde richtig
auszurechnen, weil man nur so auch deren Ende richtig datieren
konnte. Wenn ich nun die jüdische Berechnung mit dem Jahr
vergleiche, an dem laut Nostradamus seine Prophezeiung endet, fällt mir
auf, dass nur ein kleiner Unterschied zwischen diesen beiden
Zahlen besteht. 3761 - 3797
Dann jedoch tut er das Unerhörte. Er widerspricht den kirchlichen
Behauptungen und er sagt, die Welt würde noch viel länger bestehen
bleiben, als es die Berechnungen der Kleriker behaupten. Seine
Voraussagen würden bis ins 8. Jahrtausend reichen und sogar darüber
hinaus würde es noch weiter gehen. Das konnte er nur behaupten, weil
niemand so richtig verstand, was er sagte. Die Leute waren
von seinen kryptischen Sätzen derart fasziniert, dass sie das
Wesentlich gar nicht wahrgenommen haben.
Denn in der Kirche gab es schon immer die Diskussion darüber, ob die
Welt 7000 Jahre bestehen bleiben würde, oder nicht. Nostradamus
schreibt in seiner Aufstellung sogar explizit "1000 Jahre
Frieden", womit er sich auf die Theorie der 7000 Jahre bezieht.
Während dieser Zeit sei Satan gefesselt und könne nichts Böses
anstellen. Er geht darüber hinaus. Nach diesen 7000 Jahren würden
sich die Feinde der Kirche erneut erheben, weiter vermehren und
diese wieder bekämpfen, bis weit ins 8. Jahrtausend hinein. Andererseits
meint er, die Erde würde schließlich auf einer höheren
Ebene weiter existieren und dadurch fest und beständig werden.
Wenn Nostradamus sagt, Scharlatane sollten sich besser von seinem
Werk fernhalten, hat das einen guten Grund. Es ist absichtlich nicht für
die Masse bestimmt, aber es ist dazu bestimmt, die
Zeiten zu überdauern. Deshalb schreibt er rätselhaft und
unverständlich. Eigentlich zieht er genau die Scharlatane und die
Geschäftemacher an, aber sie sind es auch, die sein Werk vor der
Vernichtung bis heute bewahrt haben. Menschen die keine Ahnung von
Geschichte haben, die nicht wissen, was zur Zeit des Nostradamus
Allgemeinwissen der Gebildeten war, sind Scharlatane. Bis zum
heutigen Tag posaunen irgendwelche selbst ernannte "Experten" in die
Welt hinaus, sie hätten Nostradamus entschlüsselt. Einige unter ihnen
meinen es ernst. Sie bemühen sich tatsächlich zu
verstehen, aber viele machen daraus nur ein lukratives Geschäft.
Bisher weiß niemand, ob Nostradamus
überhaupt die Zukunft vorher gesagt hat. Man nimmt es an und man
bestätigt ihm, er habe mit seinen Voraussagen recht . Ohne auch
nur eine Ahnung davon zu haben, was er wirklich gesagt hat.
Wie kann man guten Gewissen behaupten, eine Voraussage würde der
Realität entsprechen, wenn man gar nicht versteht, was gesagt wird? Das
ist unseriös. Trotzdem wird es ständig getan.
Nostradamus schrieb in Anlehnung an die Apokalypse von 1000 Jahre
Frieden. Schon aus diesem Grund versuchen viele Interpreten eine
Beziehung zwischen der Apokalypse und den Versen des Nostradamus
herzustellen. Und genau da kommt ein wirksamer Effekt zum Tragen:
Weil man glaubt , die Prophezeiungen in der Apokalypse seien wahr, wird
und muss auch Nostradamus recht haben. Nimmt man
zumindest an, denn er behauptet ja auch dasselbe wie diese.
Zumindest scheinbar - und er spricht eine ähnliche Sprache.
Geheimnisvoll, unverständlich, düster.
Im Gegensatz zur Apokalypse nennt er aber auch Gegenden, Orte,
Namen, die zugeordnet werden können. Von Weltuntergang ist keine Rede,
auch wenn er andeutet, die Welt werde nach einem großen
Crash, auf einer höheren Ebene ihre Bewegung erneut aufnehmen und
damit stabil werden. Ähnlich wie in der Apokalypse. Aber wie ich meine,
durchaus irdisch gesehen und nicht transzendental.
Nun werden Sie mich fragen, wieso ich mich damit abmühe. Das ist leicht erklärt.
Kurze Zeit über habe ich in Wien, im 3. Bezirk gewohnt. Damals hielt
ich mich von Buchhandlungen fern. Ich arbeitete als Krankenpflegerin in
einem Pflegeheim. Die Arbeit war anstrengend und
belastend. Andererseits hatte ich Freundinnen gefunden, mit denen
ich oft unterwegs war. Mein Leben hatte sich total verändert. Ich hatte
keine Zeit mehr, Bücher zu lesen. Die hatte ich auch gar
nicht in meine neue Wohnung mitnehmen können.
Plötzlich war ich mitten in der Stadt und musste durch halb Wien
fahren, wenn ich zur Arbeit wollte. Einmal fuhr ich mit der Straßenbahn.
Sie hielt genau vor einer Buchhandlung. Weil es dort eine
Ampel gab, blieb sie länger als normal stehen, denn die Ampel war
zufällig gerade rot. Ich stand beim Ausgang. Von dort aus konnte ich
genau ins Schaufenster sehen. Ein riesiger Stapel Bücher war
zu erkennen und dazu der Name "Nostradamus". Das traf mich wie ein
Schlag, obwohl ich mit diesem Namen eigentlich gar nichts anfangen
konnte. Nie zuvor hatte ich von Nostradamus gehört, oder
gelesen. "Da steht für mich etwas drinnen!", durchzuckte es mich.
Ich stieg aus, ging ins Geschäft und kaufte das Buch. Das war 1982,
damals ist das Buch neu auf Deutsch erschienen.
Als ich das Buch dann las, war ich total enttäuscht. Dort stand
nichts, mit dem ich etwas hätte anfangen können. Aber konnte ich mich so
täuschen? Was da für mich hätte drinnen stehen können,
wusste ich eigentlich nicht. Genervt legte ich es wieder weg.
Dann begann ich abzuwarten. Würde das Vorausgesagte wirklich
eintreten? Irgendwann nahm ich das Buch wieder zur Hand und blätterte
darin. Erst da begriff ich, dass nicht Nostradamus gesagt hatte,
was in diesem Buch behauptet wurde, sondern der Herr de Fontbrune
betätigte sich als Wahrsager, als Prophet. Der Mann übersetzte nicht, er
interpretierte. Das wurde mir bewusst, als ich den
Originaltext las, den er beigefügt hatte.
Wieder verlor ich das Interesse. Wir zogen wieder zurück in den 13.
Bezirk. Nachträglich sieht es so aus, als wäre mein kurzes Intermezzo im
3. Bezirk nur zu einem bestimmten Zweck erfolgt: um
dieses Buch zu finden.
Offenbar brauchte ich immer eine gewisse Ruhezeit, um mehr über
Nostradamus und seine Welt zu erfahren. Es waren sehr kleine Schritte,
die ich machte. Es gab viele Ablenkungen. Meine Erinnerung
an mein Vorleben beschäftigte mich sehr. Statt mich weiter mit Psi
zu beschäftigen, konzentrierte ich mich auf meine Träume. Ich begann,
Träume zu sammeln, zu analysieren und ihre Aussagen
bezüglich Zukunft zu dokumentieren. Das alles natürlich neben
Kindern, Hund und Verwandtschaft. Zudem wurde ich bedroht und gestalkt.
Worüber ich allerdings mit niemandem reden konnte, weil mir
die nötigen beweise fehlten. Man hätte mich höchstens für verrückt
erklärt. Was zu dieser Zeit gang und gebe war. Jemand wurde verfolgt?
Noch dazu eine Frau? Dabei kann es sich doch nur um
Einbildung handeln. Das war der tenor dieser Zeit. Es dauerte sehr
lange, bis man verfolgte Menschen ernst nahm und einen Straftatbestand
schuf. Aber wenn man keine Beweise vorlegen kann,
schweigt man trotzdem besser.
Eines war klar, Es gab Menschen die
sich einbildeten, meine Träume seien in Wahrheit äußere Informationen
und man müsse nur genügend Druck auf mich ausüben, damit
ich sage, von wem diese Informationen stammen.
Aber leider: es sind bloß Träume. Mein Leben wäre einfacher
verlaufen, hätte ich einen geheimen Informanten präsentieren können.
Vielleicht wäre es für mich auch einfach gewesen, hätte ich nicht
gezeigt, dass meine Träume auch Informationen über meine Stalker
konkrete Aussagen machen können. Aber das hat mir auch Spaß gemacht. Es
war sozusagen meine Rache.
Alles deutete darauf hin, dass ich mir das nicht einbildete.
Beweisen konnte ich auch das nicht. Deshalb bemühte ich mich so viele
Träume wie möglich zu sammeln, die alle die Zukunft voraussagen.
Ich dachte wenn ich Quantität und Qualität groß genug wären, wäre
das ein Beweis dafür, dass es bloß Träume sind. Dem war nicht so.
Zeitweise zweifelte ich sogar schon daran, dass meine
Wahrnehmung stimmte, aber dann gab es einen echten Beweis, der aber
leider nur für mich selbst von Bedeutung war.
Meine Mutter hatte in einem Krankenhaus gearbeitet. Sie bekam eine
neue Kollegin, die aus Polen stammte. Diese Frau hatte in einem
Krankenhaus gearbeitet, in dem wichtige polnische Leute betreut
wurden. Sie wollte in Österreich bleiben und suchte zu diesem Zweck
einen passenden Ehemann. Damals waren viele Polen und Polinnen in
Österreich. Das war also nicht so auffallend. Meine Mutter
kannte nicht viele Leute. Ich hatte einen älteren Kollegen, der
ständig Geld brauchte und weil meine Mutter mich lange genug nervte,
fragte ich ihn, ob er die Polin heiraten wolle. Für Geld
natürlich. Er sagte zu und dann geschah das Unerwartete. Sie zog
sofort bei ihm ein. Da dachte ich mir auch noch nicht viel dabei. Es war
mir ehrlich gesagt egal.
Mit diesem ehemaligen Kollegen hatte ich fast nichts mehr zu tun,
während meine Mutter noch einige Zeit über mit ihrer Kollegin
Freundschaft pflegte. Doch diese Freundschaft schlief dann doch
etwas ein. Bis ich auf die Idee kam, meine unsichtbaren Stalker
sichtbar zu machen. Sie hatten nämlich ein Problem. Ich sehe nicht nur
die Zukunft im Traum, ich fühle auch, wenn ich verfolgt
werde und ich verstehe viel mehr, als sie es für möglich halten
würden. Deshalb fiel es mir nicht schwer, ihnen eine Falle zu stellen.
Ich ermöglichte ihnen zu wissen, wann ich wo zu einem bestimmten
Zeitpunkt sein werde. Dann wartete ich, wer auftauchen würde. Es war
dieser Ex-Kollege, der mir "ganz zufällig" an diesem
speziellen Ort begegnete. Normalerweise schlief er um diese Zeit
noch und in der Nähe wohnte er auch nicht. Plötzlich wollte er wieder
Kontakt zu uns und das ließ ich auch zu. Als ich ihm eines
Tages indirekt zu verstehen gab, dass ich wusste, dass er ein
Stalker war, zeigte er erstens sein wahres Gesicht und zweitens erklärte
er mir, seine "polnische Freundin" wolle Nostradamus kennen
lernen. Na servus! Da war ich wieder einmal in einen argen
Schlamassel geraten. Offen gesagt war ich sprachlos. Jemand hatte meine
Beschäftigung mit Nostradamus mit meiner Beschäftigung mit
meinen Träumen verknüpft? Wie sollte ich das verstehen?
Nun ja, ich konnte diesem Mann leider nicht mit Nostradamus bekannt
machen, wer der leider nicht mehr greifbar war, nachdem er im Jahre 1566
verstorben war. Aber diese neue Situation gab mir
sozusagen einen neuen Schub und ich begann mich erneut mit
Nostradamus zu beschäftigen. Ich träumte sogar einmal davon, wie man die
einzelnen Verse verschieben muss, damit sie in der richtigen
Reihenfolge stehen. Leider konnte ich mir nicht merken , was im
Traum geschah. Ich sah zwar dabei zu, aber ich war zu wenig wach.
Über all dem vergaß ich, warum ich mich überhaupt mit Nostradamus
abgab. Gestern Nacht, am 24.12.2024 wurde mir das bewusst. Mein Stalker
lebt schon lange nicht mehr und wahrscheinlich ist er
nicht der Einzige. Was nicht bedeutet, dass es keine mehr gibt.
Meine Träume beobachte ich nur mehr am Rande. Mir ist es nicht mehr so
wichtig zu beweisen, dass es bloß Träume sind. Mein Leben
neigt sich dem Ende zu. Ich bereite mich auf mein nächstes Leben
vor, von dem ich hoffe, es möge ein besseres werden, als dieses es
gewesen ist. Was mir auch ein Traum vorher gesagt hat. Ich
glaube, jetzt ist die Zeit gekommen, zu tun, was ich tun wollte, als
ich dieses eine Buch kaufte. Heraus zu finden, was Nostradamus mir
sagen wollte. In dem Buch, das de Fontbrune geschrieben
hat, steht sicher nichts, das für mich bestimmt wäre. Zumindest habe
ich nichts dergleichen gefunden, allerdings habe ich es auch nie ganz
gelesen. Vielleicht sollte ich aber doch damit den
Anfang machen? Ich weiß es nicht.
Ich habe mir vor vielen Jahren (1978)
die Ausgabe "Nostredame, Michel, Les propheties de Michel Nostradamus -
Lyon - Macé Bonhomme 1555" kopieren lassen.Ein Zeichen,
dass ich in Wien lebe und deshalb leicht Zugang zu dieser Ausgabe
hatte? Sie enthält 353 Quatrains.
Diese Ausgabe verwende ich für meine "Forschung", alles andere lasse
ich derzeit weg. Im Moment habe ich erst damit begonnen, den
ausgedruckten Text, den ich mir aus dem Internet herunter geladen
habe, zu korrigieren. Der Originaltext verwendet Zeichen, die ich
nicht auf dem Computer habe und der Text aus dem Internet, der mir zur
Verfügung steht, verwendet sie auch nicht. In den meisten
Fällen wurde ein doppeltes N nur einfach geschrieben und mit einer
Wellenlinie darauf dargestellt. Im Deutschen hat man das früher auch so
gemacht. Das halte ich insofern für wichtig, als manche
angeblichen Codes diesem Umstand vermutlich nicht berücksichtigen.
Der Internet Text stimmt auch sonst nicht komplett überein, mit meinem
Originaltext. Ich erinnere mich nicht, welche Ausgabe ihm
zugrunde liegt. Da meine Ausgabe aus dem Jahr 1555 stammt, ist sie
die einzig richtige. Daran kann nicht gezweifelt werden. Sie enthält
natürlich nur einen Teil der Prophezeiungen, aber ich
konzentriere mich zuerst einmal auf diese.
Ich gehe nicht von vorneherein davon aus, dass Nostradamus die
Zukunft korrekt vorher gesagt hat. Mir geht es ausschließlich darum zu
verstehen, was Nostradamus wirklich sagte. Erst wenn ich das
verstehe, kann ich auch wissen, ob er die Zukunft vorher gesagt hat,
oder nicht. Wobei das für mich eher zweitrangig ist, schließlich weiß
ich, dass man die Zukunft vorhersagen kann. Mir geht es
darum zu verstehen, ob er etwas gesagt hat, was für mich in
irgendeiner Weise von Bedeutung ist. Zu diesem Zweck versuche ich nicht
nur den Text zu verstehen, sondern ich habe auch damit
begonnen, mich auf die Person Nostradamus zu konzentrieren.
Vielleicht werden mir meine Träume dabei helfen.
Um einen besseren Überblick zu bieten, werde ich meine Überlegungen
zu den verschiedenen "Übersetzern" in meinem Blog veröffentlichen. Die
Links dazu werde ich hier, unter diesen Text anfügen.
Wenn ich damit beginnen, die Fehler anderer zu korrigieren, hoffe
ich, aus deren Fehler auch zu lernen.
Es wurden schon viele Vergleiche zwischen den verschiedenen Nostradamus Ausgaben angestellt
Ich muss das Rad nicht neu erfinden, deshalb beziehe ich mich unter
anderem auch auf Nostradamus Forscher, die verschiedene Ausgabe
miteinander verglichen haben. Wobei mich Kleinigkeiten
eigentlich wenig interessieren. Die wichtigen Unterschiede findet
man selbst auch sehr leicht, aber kleinere - wie verschiedene
Schreibweisen - sind nur wichtig, wenn man glaubt, einen Code
finden zu müssen. Ich glaube nicht an diesen mysteriösen
"Nostradamus-Code".
2004 hat Guillome Thonnaz auf http://zannoth.de ziemlich viel
darüber geschrieben. Damals habe ich mit einiges ausgedruckt. Diese
Seite existiert nicht mehr, ich habe von ihm auch keine andere
Webseite mehr gefunden.
Der Autor hatte ein Antiquariat. Seine Bücher hat er
vermutlich aus Liebe zu alten Büchern, in einem alten Stil drucken
lassen. Schaut gut aus und peppt jede Bibliothek auf. Zumindest
äußerlich macht es etwas her. Ob das auch für den Inhalt gilt? Ich
werde mich damit noch beschäftigen.
Es gab zahlreiche Diskussionen im Internet darüber, ob seine
"Übersetzung" korrekt wäre. Der Versuch, wörtlich zu "übersetzen" hat
etwas für sich, nur kann man das nicht wirklich, weil
Nostradamus auch Worte verwendet hat, die mehrdeutig sein könnten.
Er glaubt, einen Code gefunden zu haben und er ist nicht der Einzige.
Ein Code kann nur richtig sein, wenn
man ihn auf die Originalausgabe anwenden kann und dazu muss man
natürlich wissen, welches die Originalausgabe ist. Sie muss in
dieser enthalten sein.
Nostradamus war jahrelang krank und wusste vermutlich, dass er nicht
mehr sehr lange leben würde. Ob er tatsächlich Arzt, oder nur Apotheker
war, ist umstritten. Mit Krankheiten hat er sich
jedenfalls ausgekannt. So gesehen kann man spekulieren, dass er
schon 1555 damit rechnete, sein Werk nicht mehr weiter führen, oder gar
beenden zu können.
Die erste Ausgabe der Prophezeiungen halte ich für sein Testament.
Spekuliert wurde, an wen es gerichtet ist. Er schreibt: "Ich hinterlasse
dir ...". Sein Sohn wird namentlich als Erbe genannt.
Allerdings schreibt Nostradamus auch: "Da du .... nicht in dieser
Region das Licht der Welt erblickt hast ...", kann man am genannten
Adressaten (Caesar Nostradamus) zweifeln. Manche
meinen, es sei damals üblich gewesen, die Leser auf diese Art
anzusprechen und daher sei jede Person gemeint, welche das Buch lesen
würde. Was auch zweifelhaft ist, da Nostradamus alle
Leser/innen insofern ausschließt, als er darauf hinweist, niemand
solle es verstehen.
Er wendet sich offenbar an eine ganz bestimmte Person, welche die Fähigkeit besitzt, die Vierzeiler zu entschlüsseln.
Zumindest klingt das so. Es wäre jedenfalls logisch, davon
auszugehen. Einige fühlten sich angesprochen, geschafft hat es bisher
noch niemand. Auch nicht der Herr Thonnaz.
Das Ganze erinnert irgendwie an die bekannten Märchen, wo Ausschau
nach dem "Richtigen" gehalten wird, der einige Rätsel lösen muss, um die
Prinzessin und den Thron zu ergattern. Nur wer das
Unmögliche schafft, ist würdig, den Preis zu erringen. Die anderen
scheitern kläglich, was oft ihren Tod bedeutet.
Würdig sein bedeutet auch, vom Schicksal dazu bestimmt zu sein,
Großes zu tun. Höheres Wissen und Macht gehört nicht in die Hände
kleiner Leute, die einen schwachen Charakter besitzen und die
auch nicht weitsichtig genug sind, die Last der Verantwortung zu
tragen.
Thonnaz meint, dass es sich bei folgenden Ausgaben um Rückdatierungen handelt:
".... die Ausgabe 1557 von
Antoine du Rosne (Cho.Nr.19), mit der Abbildung,bei der Nostradamus nach links blickt,
weil da der Text gleich den Ausgaben die nach 1600 gedruckt
wurden korrigiert ist. (Kopie von der BnF Paris), Auch die Kopie (1557), bei
der Nostradamus nach rechts blickt - mit dem Bibliotheksstempel von
Utrecht (im Internet bei "Mario" abgebildet) - ist eine derrückdatiertenAusgaben. (Kopie von
Utrecht) 2.die drei Ausgaben 1566 von Fr. Jean Vallier
mit dem Druckvermerk von Pierre Rigaud zu Lyon
(Cho.Nr.80-81-82) (Kopie von BnF Paris)"
Damit wird er vermutlich Recht haben. Meiner Meinung nach stellt
sich an und für sich die Frage, ob wirklich alle Ausgaben - abgesehen
von der ersten - von Nostradamus zusammen gestellt und
kontrolliert wurden. Nostradamus schreibt zwar, er habe prophetische
Bücher mit je hundert astronomisch berechneten Vierzeilern verfasst,
trotzdem enthält die Ausgabe von 1555 nur 3 Abschnitte
mit je hundert Vierzeilern. Darauf folgen 353 Vierzeiler. Also warum
wurde das Buch veröffentlicht, obwohl theoretisch 47 Vierzeiler fehlen?
Ergänzt wird das Ganze bei der nächsten Ausgabe, in
welcher ein weiterer Brief eingefügt wird, der allerdings an einen
anderen Adressaten geht. An einen König Heinrich: "Henry, Roy de France
second"! An einen zukünftigen König. Dieser Brief
enthält Zeitangaben, bei denen es sich um Zeitberechnungen handelt,
die dazu verwendet wurden, das Ende der Welt zu berechnen. Sie basieren
komplett auf der Bibel.
Die Zenturien 8 - 10 wurden angeblich am 27. Juni 1558 gedruckt. Es gibt kein einziges Exemplar davon.
Nachträglich wurde diese angeblich tatsächlich gedruckte Ausgabe,
nur in anderen, späteren Ausgaben erwähnt. Somit ist deren Existenz mehr
als zweifelhaft.
Eine Ausgabe, angeblich gedruckt am 6. September 1557
enthält die Vorrede an den Sohn César und die Centurien 1-5,
zusätzlich noch 99 Quatrains der 6. Zenturie, sowie eine nicht
nummerierte in Latein. Des Weiteren 42 Quatrains der 7. Zenturie
(also 642 Quatrains). Abgeschlossen wird der Text mit dem Wort FIN. (Das scheint jedoch bloß eine Faksimile-Ausgabe zu sein und zwar der von der
Éditions Michel Chomarat, in Lyon 1993, also nicht das Original selbst.)
Dann gibt es noch ein Exemplar in der Széchényi-Nationalbibliothek, Budapest, angeblich gedruckt am 3. November 1557, aber ohne den Quatrain in Latein und
ohne die Quatrains 41 und 42 der 7. Zenturie. Das heißt, es gibt hier nur 639 Quatrains.
Das ist alles schon etwas seltsam. Ich kann beim besten Willen nicht
glauben, dass es sich dabei um echte Ausgaben handelt, die von
Nostradamus abgesegnet worden sind. Warum sollte er zizerlweis
(wie man das bei uns so schön ausdrückt) seine Vierzeiler
veröffentlicht haben? Das ergibt doch absolut keinen Sinn. Noch dazu in
demselben Jahr und jede Ausgabe enthält eine andere Anzahl an
Versen.
Erst die mit 1568 datierte Ausgabe bei Benoist Rigaud gedruckt, enthält auch die Zenturien 8–10. (mit dem Anspruch,
dass diese nie zuvor gedruckt wurden!)
In dieser gibt es auch sowohl die Vorrede an den Sohn César, die
Centurien 1–6, die Vierzeiler 1–42 der 7. Zenturie, sowie den Brief an
den König Heinrich II.
Diese angeblich komplette Ausgabe enthält somit nur 942 Quatrains.
Aber eigentlich sollten es doch jeweils hundert sein, sagt uns der
Brief an Caesar; was
bedeutet, die komplette Ausgabe sollte 1000 Vierzeiler beinhalten.
Was wiederum einen Anlass bot, irgendwann auch noch einen 11. und 12.
Teil zu präsentieren. Die Zahl 12 wird gemeinhin als
göttliche Zahl angesehen, weil es 12 Apostel gab. Da liegt es nahe,
auf 12 aufzurunden. Das ist aber schon Teil der neueren Zeit, in der man
keine Ahnung mehr von der Geschichte der
Prophezeiungen hatte. Die Zahl 10 entspricht jedoch der älteren
Vorstellung, die sich an früheren Prophezeiungen anderer Propheten
orientierte. Nostradamus war schließlich nicht der erste Prophet
in der Geschichte Europas.
Die meisten "Übersetzer" haben mit allen zur Verfügung stehenden
Vierzeilern gearbeitet. In der Annahme, alle würden von Nostradamus
stammen und seien von ihm selbst veröffentlicht worden. Wie
man sieht, ist das gar nicht so sicher. Da Nostradamus erklärte, er
habe selbst die Quatrains absichtlich durcheinander gebracht, um zu
verhindern, dass diese verstanden werden, konnte jeder
Fälscher (ich bin davon überzeugt, dass es allesamt Männer waren)
hinein schreiben, was er wollte. Nostradamus hat angeblich viele Verse
hinterlassen. Zu Anfang wird es sich vermutlich um diese
hinterlassenen Verse gehandelt haben, welche von seinem Sohn und von
seinem Vertrauten verwendet wurden. Aber selbst dann würden sie zu noch
mehr Verwirrung beitragen, weil sie nicht ins
ursprüngliche System passen.
Die Prophezeiungen des Nostradamus verstehen lernen
Hat Nostradamus die Zukunft vorher gesagt? Die Einen sagen nein, die anderen ja. Ich behaupte: bisher weiß das niemand.
Aufgrund eines Erlebnisses, welches ich vor vielen Jahren hatte und über das ich auf meiner Webseite schreibe (Nostradamus),
gehe
ich seit Jahrzehnten in größeren Abständen dieser Frage nach. Immer
wieder habe ich zwischendurch aufgegeben, weil mir dieses Unterfangen
aussichtslos erschien, aber immer wieder habe ich damit
auch wieder angefangen.
Zumindest im Moment verwende ich ausschließlich die Ausgabe von
Wien, weil ich diese schon seit langer, langer Zeit als Kopie zu Hause
habe. Doch nicht nur deshalb.
Die Ausgabe enthält 353 Vierzeiler.
Obwohl er von jeweils 100 Vierzeilern spricht. In einer späteren
Ausgabe wurden die fehlenden Vierzeiler ergänzt, sodass es schließlich
dann doch 100 wurden.
Gehört nun der nächste Teil zum ersten dazu, oder hat ein Teil mit dem anderen nichts zu tun?
Nostradamus hat sich die Mühe gemacht, sein Buch mit einem Privileg
zu versehen. Ich würde sagen, dass entspricht ungefähr einer ISBN
Nummer. Das heißt, damit soll gewährleistet werden,
dass es ein Original ist und keine Fälschung. Aber ist das wirklich
so?
Es gibt zwei Ausgaben, die angeblich am selben Tag, in derselben
Druckerei hergestellt wurden. Was total absurd ist. Im Jahr 1555 war das
Drucken von Büchern noch eine Kunst und sehr aufwändig.
Da ich nur diese eine Ausgabe zur Hand habe, die ich für die
Originalausgabe halte, kann ich keinen direkten Vergleich herstellen.
Das haben schon andere vor mir gemacht. Einige Forscher meinen,
die Ausgabe in Albi sei die erste, weil in ihr viele Fehler zu
finden seien. Gerade das spricht aber meiner Meinung nach dagegen. Ich
glaube nicht, dass die Wiener Ausgabe eine korrigierte
Ausgabe derjenigen von Albi ist. Eher denke, die Ausgabe von Albi
ist eine schlechte Kopie. Warum sollte ein und derselbe Verlag zwei
Ausgaben desselben Buches am selben Tag, bzw. in demselben
Jahr drucken? Fehler zeigen, dass etwas nachlässig gemacht wurde.
Beide Ausgaben weisen Fehler auf, aber diese stimmen nicht miteinander
überein, so viel ich den Texten anderer Nostradamus
Forschern entnehmen konnte.
Auf jeden Fall unterscheiden sich die beiden Ausgaben voneinander,
wenn auch nur geringfügig. Ob ein Privileg tatsächlich vor einem
Raubdruck schützen konnte, kann ich nicht mit Sicherheit
beantworten, aber ich glaube es nicht.
Ein Unterschied ist deutlich sichtbar. Das hier ist die Ausgabe, die
in der österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird.
Vielleicht wollte Nostradamus die Überschrift so, wie sie schließlich geworden ist. Vermutlich eine Spezialanfertigung.
Ich nehme an, das hier ist die andere Ausgabe, die in Albi zu finden
ist. Ich habe das Foto nur aus dem Internet. Dieser Unterschied spricht
für die Wiener Ausgabe als Original. Die Buchstaben
für die Überschrift scheinen extra angefertigt worden zu sein.
Perfekt wirken sie nicht gerade. Ein Fälscher hätte sich die Arbeit
sicher nicht gemacht, er hätte die bereits vorhandenen
Buchstaben verwendet, so wie das in der Ausgabe von Albi zu sehen
ist.
Für Fälscher war es sicher wichtig, das "richtige" Datum zu
verwenden, weil der Text unbedingt vor dem Ereignis liegen musste. Nun
wusste man zwar nicht, welcher Ereignisse nun konkret gemeint
waren, aber ich denke: sicher ist sicher!!!
Viele Fremde, aber auch sein Sohn hatten Interesse daran, das Werk am Leben zu erhalten, weil es sich gut verkaufte.
Der Text sollte zumindest scheinbar noch zu Lebzeiten des Herrn
Nostradamus erschienen sein, um überzeugend zu wirken, sofern sich das
irgendwie machen ließ. Nostradamus starb am 2. Juli 1566. 11
Jahre nach dem Erscheinen seines bis dahin wichtigsten Buches. Alles
was nach diesem Datum gedruckt wurde,
geschah also sicher ohne seine Kontrolle. Aber war er vor diesem
Datum auch noch in der Lage, weitere Verse zu verfassen, oder den Druck
seiner Bücher zu beaufsichtigen? Mit Sicherheit kann man
das nicht sagen.
Nostradamus starb mit 62 Jahren angeblich an einem Herzinfarkt, oder
Asthma-Anfall in Folge seiner Wassersucht. Er hatte seit Jahren an
chronischer Gicht gelitten, die zu Nierenversagen führte.
Angeblich hatte er seinen Tod vorher gesagt, was man leider nicht
überprüfen kann. Seine Anhänger/innen neigten und neigen bis heute zur
Legendenbildung und schriftlich scheint er nichts in
dieser Hinsicht längere Zeit davor, hinterlassen zu haben. Es ist
müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Dieses Buch verwendet dasselbe Bild, wie das Buch aus dem Jahr 1555,
obwohl es sich um einen anderen Verlag handelt und auch viel später
gedruckt wurde. Bilder kopieren scheint also nicht sehr
schwierig gewesen zu sein. Als dieses Buch erschien, lebte
Nostradamus nicht mehr.
Der Text wurde in späteren Ausgaben nur minimal verändert, aber die
Schreibweise blieb nicht gleich. Bei den alten Ausgaben wurde auf
Buchstaben verzichtet, die doppelt vorkommen, so wie das auch
früher im Deutschen üblich war. Man schrieb eine Wellenlinie auf den
Buchstaben, um damit seine Verdoppelung anzuzeigen, oder auf den
Buchstaben davor, um zu zeigen, dass danach ein N, oder ein M
folgen würde. Das war insofern sinnvoll, als man sich damit viele
Lettern ersparen konnte. Statt 2x N, konnte man 1x N mit Wellenlinie
setzen. Zeichnungen wurden wiederholt verwendet, weil man
sie per Hand herstellen musste. Es wäre ein zu großer Aufwand
gewesen, sie für jedes neue Buch neu herzustellen. Deshalb kommen in
verschiedenen Büchern immer wieder die gleichen Bilder vor.
Sie zu kopieren war leichter, als selbst welche zu machen. Bei
Raubdrucken wird es deshalb Kopien gegeben haben. Fotokopieren konnten
die Leute damals ja noch nicht.
Die Wiener Ausgabe enthält zwei wesentliche, auffällige Fehler.
Der 2. Teil der Centurien hat die Nummer 12 doppelt.
Dafür fehlt die Nummer 17, wodurch der Fehler wieder insofern ausgeglichen wird, als trotzdem nur 100 Vierzeiler enthalten sind.
Was die Nummer 17 betrifft, habe ich ein seltsames Verhältnis zu
dieser Zahl. Irgendwie verblüffend, dass ausgerechnet die 17 eingespart
wurde.
Ob es sich bei scheinbaren Fehlern um Absicht, oder um echte Fehler
handelt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Nostradamus
könnte damit auch etwas Bestimmtes auszudrücken versucht
haben.
Beim 3. Teil ist die obere Zierleiste verkehrt herum angebracht
worden und es fehlt das R bei Nostradamus. Dort steht: Nostadamus.
Solche Fehler dürften eigentlich nicht passieren. Vielleicht war
der Drucker betrunken?
Wie man an diesen Beispielen auch erkennen kann, wird U zu V und es
gibt zwei verschiedene S. Auch das gab es früher im Deutschen.
Abgeschafft wurde es in beiden Sprachen. Man kann also
grundsätzlich davon ausgehen, dass Texte mit Wellenlinie über den
Buchstaben und V statt U, sowie U statt V und zwei verschiedene S, älter
sind, als Texte, wo dies nicht vorkommt.
Auf diesen Seiten findet man einiges
über Nostradamus und über seine Werke. Darauf werde ich zu einem
späteren Zeitpunkt näher eingehen.
Die falschen Prophezeiungen stammen von seinen Interpreten
Alles was man so als Voraussagen des Herrn Nostradamus kennt, stammt
in Wahrheit von dessen Interpreten und nicht von ihm selbst. Auf https://www.relinfo.ch/nostradamus/infotxt.html habe ich schon im Jahr 2004 einige Hinweise auf falsche Voraussagen
gefunden. Seither habe ich mich dort nicht mehr umgesehen.
Mit falschen Voraussagen hatte ich allerdings schon viele Jahre
zuvor zu tun, nämlich als ich mein erstes Nostradamus Buch gekauft
hatte. Geschrieben wurde es von Fontbrune, der als Franzose
eigentlich prädestiniert gewesen wäre, richtig zu "übersetzen".
Alles was er behauptet hatte, war falsch. Allerdings bewundere ich Leute
wie ihn, die sich anmaßen, richtig zu interpretieren,
obwohl sie selbst falsche Propheten sind und die den Mut haben, in
aller Öffentlichkeit Prophezeiungen zu machen. Weil es ihre eigenen
Prophezeiungen sind und nicht die vom Herrn Nostradamus.
Wer sind die Autoren auf http://www.relinfo.ch? Interessant: es
handelt sich um eine «Evangelische Orientierungsstelle: Kirche,
Sondergruppen, religiöse Bewegungen». Das ist insofern lustig, als
gerade die evangelische Kirche in ihrem Ursprung als Sekte galt.
Betrachtet man Religionen an sich, waren so ziemlich alle irgendwann zu
Anfang eine Sekte, eine Abspaltung, von einem angeblich,
WAHREN Glauben. Die Katholiken haben auch etwas ähnliches.
Rel.info fühlt sich von einem Vierzeiler direkt angesprochen.
Zumindest diesen einen Vers glauben die Autoren selbst entschlüsselt und
zeitlich richtig eingeordnet zu haben:
Dann zu Monaten und zu Jahren, schliesslich wird alles hinfällig.
Die Behörden verdammen selbst jene leeren Dogmen.
Hier wird durchaus klar, dass
Nostradamus dem Calvinismus ein völliges Ende binnen ein paar Jahren
vorausgesagt hat. Diese Sicht mag dem katholischen
Wunschdenken des Sehers entsprochen haben, mit der weiteren
Entwicklung der Geschichte hat sie nichts zu tun.
Les sermons bedeutet Predigten, trotzdem wird dieses Wort von
anderen anders übersetzt, weil es noch ein weiteres Wort für Predigten
gibt. Deshalb übersetzt de Fontbrune den Vierzeiler
folgendermaßen:
Die Reden vom Genfer See werden zu Zwistigkeiten führen;
Tage werden sich in Wochen verwandeln,
dann in Monate und schließlich in Jahre. Dann wird alles
zusammenbrechen, und die Beamten werden ihre nutzlosen Gesetze
verdammen.
Einige Worte werden anders übersetzt und schon ergibt sich ein
anderer Sinn. Wie ist das möglich? Weil dahinter fast immer eine
bestimmte Absicht steckt. Was die Ehrlichen unter den Interpreten
betrifft, mag es keine bewusste Absicht sein. Doch sie ist immer da,
auch wenn wir es selbst gar nicht bemerken. Die Absicht der
Evangelischen ist klar. Sie fühlen sich angesprochen, weil dort
Genfer See steht - Predigten. Das genügt schon, um an die eigene
Geschichte zu denken. Man unterstellt daher dem armen Nostradamus, zu
prophezeien, die eigene Sekte würde schon bald wieder
verschwinden. Damit hätte er nicht Recht, weil ihre Sekte
erfolgreich war und deshalb folgern sie, Nostradamus habe sich geirrt.
Ein falscher katholischer Prophet also, mit Tunnelblick. Aber hat
er das wirklich gesagt?
Hat er das tatsächlich prophezeit? Welches Datum, welches Jahr beschreibt er? Das geht aus dem Text nicht hervor.
Um einige wenige Beispiele zu bringen, habe ich die angeblichen "Übersetzungen" durchforstet und verglichen.
Die Reden vom Lac Leman (Genfer See) werden sich erzürnen.
Aus Tagen und Wochen werden schließlich Monate und Jahre;
am Ende bricht alles zusammen.
Die Berater werden ihre nutzlosen Gesetze verfluchen.
Wieso übersetzen die Einen das Wort sermons mit "Predigten" und die
anderen mit "Reden"? Sermo, sermonis heißt auf Latein "Unterredung",
"Gespräch". Nostradamus sprach ein altes Französisch,
welches dem Latein noch sehr nahe stand. Auf Französisch kann man
sermon mit Predigt übersetzen, aber es gibt auch die Worte "precher,
oder sermonner für predigen. Predigt heißt
"prédication, préche oder sermon".
Nimmt man modernes Französisch, könnte der Vers so lauten:
Les magistrats bedeutet eigentlich "die Richter", denn das ist
insofern logisch, als sie Gesetze vollziehen. Also die Richter verdammen
die eitlen (oder die nutzlosen) Gesetze. Da kommen wir
schon ein wenig von den Sekten weg.
Das soll nur ein kleines Beispiel dafür sein, dass selbst die
scheinbar einfach zu übersetzenden Vierzeiler gar nicht so klar sind.